Episode 2: Sigmund Freud und seine Rezeption in den USA

Prof. Dr. Norbert Finzsch

Sigmund Freud besuchte 1909 die Vereinigten Staaten auf Einladung von G. Stanley Hall, dem ersten Präsidenten der American Psychological Society und Schüler von Wilhelm Wundt. Freud hielt eine Reihe von Vorträgen auf Deutsch in den USA und wurde dafür mit einer Ehrendoktorwürde und einem Stipendium von 750 Dollar belohnt. Anders als in Europa war Freud in den USA schon so bekannt, dass seine Bücher zum festen Lehrstoff der Psychologiestudierenden an der Clark University in Massachusetts gehörten. Die Rezeption der Ideen Freuds entwickelte sich ab 1909 in eigenen Bahnen, unabhängig vom Begründer der Psychoanalyse. Dies hing mit zwei Faktoren zusammen: Der oft eigensinnigen Übersetzung von Freuds Werken ins Englische durch Abraham A. Brill und der Vorgeschichte der Psychologie in den USA, die sehr stark durch Pragmatismus (William James) und Theologie, vor allem durch die Christian Science, beeinflusst war. Hinzu kam die feministische Kritik an Freuds Ideen, in denUSA vor allem durch Karen Horney. Der Beitrag soll die Rezeptionsgeschichte der Psychoanalyse und ihrer Popularisierung in den USA aufzeigen unter besonderer Berücksichtigung der Adaption von Freuds Ideen in den Hollywood-Tonfilmen nach 1950.

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